{"id":54,"date":"2023-05-09T21:53:13","date_gmt":"2023-05-09T19:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/afaeurope.noblogs.org\/?page_id=54"},"modified":"2023-05-10T17:33:30","modified_gmt":"2023-05-10T15:33:30","slug":"ueber-die-kampagne","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/afaeurope.noblogs.org\/?page_id=54","title":{"rendered":"\u00dcber die Kampagne"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Stop NS glorification! Gegen den &quot;Tag der Ehre&quot; 2022 in Budapest\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ka65hXAadl4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<hr \/>\n<p>Das Kardiogramm, welches einen Herz\u00adstillstand abbildet, ist vielen Antifaschis\u00adt*innen aus den Mobilisierungen gegen die He\u00df-Aufm\u00e4rsche zu Beginn der 2000er Jahre in Erinnerung geblieben. Es steht f\u00fcr das vorzeitige Ableben von Hitlers Stellvertreter Rudolf He\u00df, der 1987 durch einen erfolgreichen Suizid ein letztes Mal das Heft in die Hand nahm. Die St\u00e4rke der 2001 ins Leben gerufenen Kampagne \u201eNS-Verherrlichung stoppen\u201d war neben der erfolg\u00adreichen Mobilisierung gegen die Neonazi-\u00adAufm\u00e4rsche eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Mythen, die ihren Ursprung in der Propaganda alter Nazis haben und bis heute in breite gesellschaftliche Teile hineinwirken. Dazu geh\u00f6rt die Erz\u00e4hlung der Stadt Dresden als Opfer des \u201ealliierten Bombenterrors\u201d, der Mythos der \u201esauberen Wehrmacht\u201d, die zu rechten Heldengedenken wie in Halbe (Brandenburg) f\u00fchrten ebenso wie die Erz\u00e4hlung des \u201eFriedensfliegers He\u00df\u201d und seiner angeblichen Ermordung durch die Alliierten.<\/p>\n<p>Zumindest in Deutschland war es seit dem Ende der Neonazi-Gro\u00dfaufm\u00e4rsche in Dresden, verschiedener &#8222;Heldengedenken&#8220; wie in Halbe oder dem Opfermythos um das \u201eRheinwiesenlager\u201d in Remagen dank vielf\u00e4ltiger antifaschistischer Interventionen ruhiger geworden und der mobilisierende Effekt von Aktionen mit NS-Bezug hatte abgenommen. Dies lag neben dem Widerstand auf der Stra\u00dfe auch an staatlichen Ma\u00dfnahmen wie dem sogenannten Wunsiedel-Urteil, das ein Verbot von Aufm\u00e4rschen mit NS-Bezug zumindest rechtlich m\u00f6glich machte.<\/p>\n<p>Dass Antifaschist*innen gut beraten sind, nicht auf staatliche Verbote zu hoffen, haben die He\u00df-Aufm\u00e4rsche 2017 in Berlin-Spandau und 2018 durch Berlin-\u00adFriedrichshain und Berlin-\u00adLichtenberg gezeigt. Als die Neonaziszene im Jahr 2017 bundesweit mobilisierte, um 30 Jahre nach dessen Tod ein Revival der He\u00df-Aufm\u00e4rsche zu initiieren, fing der Puls vergessener Nazimythen wieder zu schlagen an. Antifaschist*innen sind seitdem wieder mehr gefordert, sich mit der Verherrlichung des Nationalsozialismus inhalt\u00adlich wie praktisch auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Vernetzung von Neonazis in Europa<\/strong><\/p>\n<p>Im Windschatten der in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern st\u00e4rker werdenden autorit\u00e4ren rechten Parteien und Bewegungen haben sich in den letzten Jahren neofaschistische Bewegungen etabliert. Ihren Schwerpunkt haben sie in Osteuropa, insbesondere in den L\u00e4ndern, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges aktiv mit Nazi-Deutschland zusammengearbeitet haben. Dort finden j\u00e4hrlich internationale Neonazi-Gro\u00dfveranstaltungen mit international angereisten Mitgliedern der extremen Rechten statt, auf denen Kriegsverbrecher und Massenm\u00f6rder des Nationalsozialismus gefeiert und geehrt werden.<\/p>\n<p>Neben dem Gedenken an lettische Kollaborateure und Angeh\u00f6rige der Waffen-SS in Riga (Lettland) sind auch der \u201eLukov-Marsch\u201c in Sofia (Bulgarien) und der \u201eTag der Ehre\u201d in Budapest (Ungarn) fester Bestandteil im j\u00e4hrlichen Eventkalender von Neonazis aus ganz Europa. Strukturen wie \u201eBlood &amp;Honour\u201c, \u201eHammerskins\u201c sowie als Parteien getarnte Kameradschaftsstrukturen von \u201eDer III. Weg\u201c und \u201eDie Rechte\u201c aus Deutschland beteiligen sich jedes Jahr an diesen Events. Der dortige kontinuierliche internationale Austausch und das gewonnene Selbstbewusstsein finden auch in Deutschland in einer Neuauflage neonazistischer Aufm\u00e4rsche mit klaren NS-Bezug ihren Ausdruck.<\/p>\n<p>F\u00fcr deutsche Neonazis sind diese internationalen Veranstaltungen von besonderer Bedeutung, denn dort k\u00f6nnen sie in aller \u00d6ffentlichkeit zu den Leitbildern, Parolen, Losungen und Symbolen des NS-Regimes stehen. Seit 1997 versammeln sich j\u00e4hrlich tausende Neonazis aus ganz Europa im Februar zum sogenannten \u201eTag der Ehre\u201c in Budapest. International angereisten mili\u00adtanten Rechten wird dort eine Art Gedenkwoche bestehend aus Demonstrationen, RechtsRock, NS-Folklore und Leistungssport geboten (Vgl. AIB Nr. 122). In diesem Jahr kamen etwa 500 TeilnehmerInnen in den V\u00e1rosmajor-Park in Budapest. Im Anschluss an die dortige \u201eGedenkstunde\u201c folgt noch eine Art \u201eWehrsport-\u00dcbung\u201c. Auf den bis zu 60 Kilometer langen Marschwegen nach Szomor stellen die Teilnehmenden den \u201eAusbruch\u201c der eingekesselten NS-Soldaten vom Februar 1945 nach. Dieses Gedenkformat wird als Wanderung durch die Buda-H\u00fcgel in \u201ehistorischen Uniformen\u201c auch im offiziellen Verzeichnis touristischer F\u00fchrungen gelistet. Laut Presseberichten gibt es daf\u00fcr sogar staatliche Zusch\u00fcsse. Dass Neonazis die \u201eWanderung\u201c nutzen, um NS-Insignien zur Schau zu stellen, st\u00f6rt da nicht. Weil ihnen f\u00fcr das Zeigen von NS-Symbolen keine Strafe droht, k\u00f6nnen sie sich offen zu erkennen geben.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: 1945 wurde erfolglos versucht, aus einem Kessel der Roten Armee zu entkommen. Angesichts der vorr\u00fcckenden Roten Armee igno\u00adrierten die Angeh\u00f6rigen von Wehrmacht, Waffen-SS und kollaborierenden ungarischen Kampfverb\u00e4nden den direkten Befehl zum Ausharren. Zur politischen Legendenbildung eignet sich diese milit\u00e4rische Niederlage eigentlich kaum. Deshalb wird seit 1997 kontinuierlich daran gearbeitet, die Fahnenflucht in einen Akt der Verteidigung Europas vor den vorr\u00fcckenden Kommunisten umzudeuten.<\/p>\n<p>Die ungarische Regierung ist eine der treibenden Kr\u00e4fte des Geschichtsrevisionismus in Europa. So wirbt Premierminister Victor Orban unter anderem daf\u00fcr, den realexistierenden Sozialismus mit dem Faschismus gleichzusetzen. Diese Gleichsetzung erm\u00f6glicht es den Staaten, die mit dem NS-Staat Deutschland vors\u00e4tzlich kollaboriert haben, sich zu Opfern gleich zweier Regime zu erkl\u00e4ren. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Nationalismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Sozialdarwinismus findet deshalb nicht statt. Stattdessen werden LGBTIQ*, Rom*nja, Sinti*zze und J\u00fcd*innen zu S\u00fcndenb\u00f6cken gemacht und antisemitische, antiziganistische, sowie trans- und homofeindliche Rhetorik sind fester Bestandteil ungarischer Politik. So formt die Geschichtspolitik Ungarns die historischen und gesellschaftlichen Grundlagen f\u00fcr einen reaktion\u00e4r-autorit\u00e4ren Staatsumbau und versucht diese auch auf europ\u00e4ischer Ebene zu etablieren. Es verwundert daher nicht, dass Victor Orbans Partei \u201eFidesz\u201c innerhalb der \u201eEurop\u00e4ischen Volkspartei\u201c (EVP) daf\u00fcr wirbt, das B\u00fcndnis nach rechts zu erweitern.<\/p>\n<p><strong>Die Neuauflage einer antifaschistischen Dauerkampagne<\/strong><\/p>\n<p>Seit einigen Jahren w\u00e4chst der Widerstand gegen das j\u00e4hrliche Neonazi-Gro\u00dfevent in Budapest. Getragen von lokalen Antifaschist*innen, studentischen Aktivist*innen, Rom*nja, LGBTIQ*-Personen, subkulturellen Zusammenh\u00e4ngen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen gibt es sichtbare und h\u00f6rbare Gegenproteste. Einen Aufruf antifaschistischer Aktivist*innen aus Budapest, sich gemeinsam \u00fcber nationale Grenzen hinweg zu organisieren, um der internationalen neonazistischen Mobilisierung effektiv entgegenzutreten, haben antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen daher zum Anlass genommen, die Kampagne \u201eNS-Verherrlichung stoppen\u201c wiederzubeleben.<\/p>\n<p>Die Kampagne hat sich zum Ziel gesetzt, widerst\u00e4ndige Strukturen gegen das rechts-nationale Orban-\u00adRegime in Ungarn zu unterst\u00fctzen und ein lokales Gedenken an die Opfer des Nazi\u00ad-Regimes in Budapest auf die Beine zu stellen. Seit 2019 haben mehrere Vernetzungstreffen mit Genoss*innen aus Budapest und Sofia stattgefunden. Im Januar diesen Jahres luden die Berliner Gruppen PostKom, Antifa Westberlin, North East Antifa und die Berliner VVN\/BdA Aktivist*innen aus Ungarn und Bulgarien nach Berlin ein, um mit ihnen \u00fcber ihre Erfahrungen aus den Gegenprotesten zum \u201eTag der Ehre\u201c in Budapest und dem \u201eLukov-\u00adMarsch\u201c in Sofia zu sprechen. Auf dem Kongress unter dem Motto \u201eSprete Fashizma\u201d (Faschismus stoppen) wurde gemeinsam die Idee einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Vernetzung diskutiert und konkretisiert. Im Zentrum der gemeinsamen Idee steht seitdem die Organisierung einer internationalen antifaschistischen Gegenmobilisierung zum \u201eTag der Ehre\u201c im Februar 2021 in Budapest.<\/p>\n<p>Die Kampagne \u201eNS-Verherrlichung stoppen\u201d wird sich in erster Linie um die Vernetzung und den Austausch mit lokalen Aktivist*innen bem\u00fchen, aber auch \u00fcber konkrete Aktionen gegen rechte Strukturen in Ungarn berichten. Sie setzt auf die internationale Solidarit\u00e4t und soll als Graswurzelkampagne Menschen unterschiedlicher politischer Herkunft verbinden und ihre K\u00e4mpfe vereinen, um eine dauerhafte internationale Vernetzung von unten zu erm\u00f6glichen. Gegenseitiges Vertrauen ist daf\u00fcr die Grundlage. Durch die Zusammenarbeit von Rom*nja, LGBTIQ* und antifaschistischen Zusammenh\u00e4ngen und gemeinsam mit Gruppen aus \u00d6sterreich, Tschechien, Polen und Bulgarien soll der gesellschaftliche Widerstand gegen Nazi-Glorifizierungen in Europa vernetzt, gest\u00e4rkt und sichtbar gemacht werden und ein handlungsf\u00e4higes Netzwerk von Aktivist*innen \u00fcber Landesgrenzen hinweg entstehen.<\/p>\n<p><em>Interessierte Antifaschist*innen sind ausdr\u00fccklich eingeladen, sich an der Kampagne zu beteiligen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kardiogramm, welches einen Herz\u00adstillstand abbildet, ist vielen Antifaschis\u00adt*innen aus den Mobilisierungen gegen die He\u00df-Aufm\u00e4rsche zu Beginn der 2000er Jahre in Erinnerung geblieben. Es steht f\u00fcr das vorzeitige Ableben von Hitlers Stellvertreter Rudolf He\u00df, der 1987 durch einen erfolgreichen Suizid ein letztes Mal das Heft in die Hand nahm. 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