{"id":171,"date":"2025-01-20T14:58:42","date_gmt":"2025-01-20T13:58:42","guid":{"rendered":"https:\/\/afaeurope.noblogs.org\/?p=171"},"modified":"2025-02-18T16:28:42","modified_gmt":"2025-02-18T15:28:42","slug":"zwei-kugeln-fuer-general-lukow-ivankas-beruehmteste-tat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/afaeurope.noblogs.org\/?p=171","title":{"rendered":"Zwei Kugeln f\u00fcr General Lukow-Ivankas ber\u00fchmteste Tat"},"content":{"rendered":"<p>Die Kampagne NS-Verherlichung stoppen erinnert an die bulgarische Partisanin Violeta Yakova die vor 80 Jahren ermordet wurde. Erstver\u00f6ffentlichung in <em>nd.DerTag<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-172\" src=\"https:\/\/afaeurope.noblogs.org\/files\/2025\/01\/Violeta_Yakova.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"248\" \/><\/p>\n<p>Sie wurde nur 21 Jahre alt. Am 18. Juni 1944 geriet die bulgarische Partisanin Violeta \u00bbIvanka\u00ab Yakova in eine Schie\u00dferei mit der Polizei. Sie wurde gefangen genommen, gefoltert und noch am selben Tag hingerichtet \u2013 drei Monate vor der Befreiung Bulgariens durch die Rote Armee.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div data-bind=\"foreach: articleBlocks\">\n<p data-bind=\"text: $data\">Die sephardische J\u00fcdin wuchs in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen auf, musste mit 14 bereits ihr Brot selbst verdienen, war zun\u00e4chst Hilfsarbeiterin in einer Tabakfabrik und zog dann, 1939, im Jahr, als Hitlerdeutschland den Zweiten Weltkrieg entfachte, nach Sofia, um dort als N\u00e4herin zu arbeiten. Um sich gegen die ungerechten Verh\u00e4ltnisse in ihrer Heimat und die auch hier erstarkenden faschistischen Kr\u00e4fte und deren Kumpanei mit den Nazideutschland zu k\u00e4mpfen, schloss sie sich der kommunistischen Jugend an, dem Arbeiterjugendverband (REM), und wurde Mitglied der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP). Ihr Engagement und ihre Disziplin in der Partei f\u00fchrten dazu, dass sie zusammen mit 14 anderen der \u00bbBesten und Tapfersten\u00ab von der Parteif\u00fchrung ausgew\u00e4hlt wurde, um eine klandestine Gruppe zu organisieren, die Anschl\u00e4ge auf die deutschen Besatzer ver\u00fcben sollte.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Unter dem Kampfnamen \u00bbIvanka\u00ab f\u00fchrte Yakova verschiedene Kommandos und Sabotageakte gegen die Logistik der Wehrmacht, gegen Fabriken, Tanklager und Eisenbahnen durch. Trotz stengster Konspiration der Widerstandsk\u00e4mpfer, die tags\u00fcber einem normalen Arbeitsalltag nachgingen und nachts Anschl\u00e4ge im Auftrag der Partei unternahmen, sich untereinander nicht beim Klarnamen kannten und auch ihre Decknamen mehrfach wechselten, gerieten sie ins Visier der bulgarischen Polizei und der Fahnder der deutschen Wehrmacht.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Unter dem Kampfnamen \u00bbIvanka\u00ab f\u00fchrte Yakova verschiedene Kommandos und Sabotageakte gegen die Logistik der Wehrmacht, gegen Fabriken, Tanklager und Eisenbahnen durch. Trotz stengster Konspiration der Widerstandsk\u00e4mpfer, die tags\u00fcber einem normalen Arbeitsalltag nachgingen und nachts Anschl\u00e4ge im Auftrag der Partei unternahmen, sich untereinander nicht beim Klarnamen kannten und auch ihre Decknamen mehrfach wechselten, gerieten sie ins Visier der bulgarischen Polizei und der Fahnder der deutschen Wehrmacht.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Ihre bekannteste Tat beging \u00bbIvanka\u00ab im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit dem Partisanen Iwan Burudschiew. Mit zwei Sch\u00fcssen auf den damaligen Kriegsminister und Vorsitzenden des antisemitischen Bundes der Bulgarischen Nationalen Legionen, Hristo Lukov, t\u00f6tete sie am 13. Februar 1943 den damals wichtigsten Nazi-Kollaborateur. Er war unter anderem verantwortlich f\u00fcr die Deportation von mindestens 10000 J\u00fcdinnen und Juden in das Vernichtungslager Treblinka. Auf die Ergreifung der beiden Attent\u00e4ter wurden 300 000 Leva Belohnung ausgeschrieben. Am 3. Mai 1943 erschoss die Gruppe um Jakowa auch den Polizeichef und Vorsitzenden des Milit\u00e4rgerichts von Sofia, Atanas Pantew, der f\u00fcr seine rechtsnationale und prodeutsche Einstellung bekannt war.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Im realsozialistischen Bulgarien avancierte Jakova zu einer Ikone, ihre Geschichte wurde 1970 in dem Film \u00bbSchwarze Engel\u00ab des bekannten Autors und Regisseurs Valo Radev verfilmt. Die K\u00e4mpfe der Partisanen gegen die deutsche Okkupation wurden eingebettet in die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung vom historischen Freiheitskampf der bulgarischen Nation. Heute ist das Gedenken an Violeta Yakowa weitgehend verblasst. Nach 1990 begann man in Bulgarien wie in anderen osteurop\u00e4ischen Staaten, alle Erinnerungen an Kommunisten und Kommunistinnen zu beseitigen. An Yakova erinnert heutzutage nur noch ein Denkmal in Radomir, s\u00fcdwestlich von Sofia. Dass sich eine neue Generation von Antifaschist*innen wieder mit dem Leben und Kampf der Widerstandsk\u00e4mpferin befasst, ist ausgerechnet dem sogenannten Lukov-Marsch zu verdanken, bei dem jedes Jahr hunderte Neonazis aus Europa dem bulgarischen NS-Kollaborateur huldigen.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Seit 2019 unterst\u00fctzt die Kampagne \u00bbNS-Verherrlichung stoppen\u00ab die antifaschistischen Proteste gegen diesen allj\u00e4hrlichen Aufmarsch von Rechtsextremen. Die Sprecherin der 2004 gegen die Gedenkm\u00e4rsche anl\u00e4sslich des Todestages von HitlerStellvertreter Rudolf Hess im bayrischen Wunsiedel gegr\u00fcndeten Initiative, Mika Kuhnke, betont: \u00bbMit dem Anschlag auf Lukov wurde der Verantwortliche f\u00fcr die Judenverfolgung in Bulgarien zur Verantwortung gezogen.\u00ab Es gelte, dies zu w\u00fcrdigen und positiv herauszustellen. \u00bbGemeinsam mit unseren bulgarischen Genoss*innen stellen wir uns entschlossen gegen den Geschichtsrevisionismus, der j\u00e4hrlich in Sofia mit einem nationalistischen Fackelmarsch manifestiert werden soll.\u00ab<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Bei den antifaschistischen Gegendemonstrationen zum Lukov-Marsch wurde in den vergangenen Jahren das Konterfei von Jakowa mitgef\u00fchrt. Die Antifaschisten sehen sich deshalb nicht nur von Rechten, sondern auch von staatlichen Beh\u00f6rden angegriffen. So wurden 2020 zwei Mitglieder der Protestaktion von der Polizei vorgeladen und zu den von ihnen mitgef\u00fchrten Transparenten vernommen. Die Polizei ging damit einer Anzeige der Organisatoren des Lukov-Marsches, der Bulgarischen Nationalunion (BNU), nach.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Dass faschistische Gruppen in Bulgarien die ermordete Widerstandsk\u00e4mpferin als eine \u00bbTerroristin\u00ab denunzieren, verwundert nicht. Als eine solche wird Yakowa aber auch in den von den bulgarischen Medien verbreiteten liberalen und konservativen Geschichtsdarstellungen verunglimpft, entsprechend der Totalitarismusthese, die rechts und links, Faschismus und Kommunismus gleichsetzt. Strategie der derzeit in Bulgarien Herrschenden ist es, Pers\u00f6nlichkeiten wie Violeta Jakowa posthum zu kriminalisieren und die Motive der Partisanen zu entpolitisieren.<\/p>\n<p data-bind=\"text: $data\">Nach 1990 begann man in Bulgarien wie in anderen osteurop\u00e4ischen Staaten, alle Erinnerungen an Kommunisten und Kommunistinnen zu beseitigen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kampagne NS-Verherlichung stoppen erinnert an die bulgarische Partisanin Violeta Yakova die vor 80 Jahren ermordet wurde. Erstver\u00f6ffentlichung in nd.DerTag Sie wurde nur 21 Jahre alt. Am 18. Juni 1944 geriet die bulgarische Partisanin Violeta \u00bbIvanka\u00ab Yakova in eine Schie\u00dferei mit der Polizei. 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