Ungarn 2026: Internationales Nazi-Schaulaufen, während antifaschistische Kundgebungen verboten sind

Ungarische Faschisten bereiten aktuell den nächsten sogenannten „Tag der Ehre“ im Februar 2026 in Budapest vor. Es wird wieder internationale, auch deutsche und österreichische Nazi-Beteiligung erwartet. Das Programm für ein perfektes rechtes Wochenende für Jung- und Alt-Nazis besteht aus Geschichtsspaziergängen und Lichterketten für gefallene „Märtyrer“ im Kampf gegen die Rote Armee, einer geschichtsrevisionistischen internationalen Konferenz, Blood & Honour-Konzerten – und der „Ausbruchs“-Wanderveranstaltung. Diese Wanderung, bei der patriotische Sportsfreunde gern historische Nazi-Uniformen tragen, wird mitfinanziert vom ungarischen Wanderverband und der Tourismusförderung. Tausende Teilnehmende begehen eine Art Re-Enactment auf der historischen „Ausbruchs-Route“ der letzten Wehrmachts- und SS-Soldaten sowie der ungarischen Pfeilkreuzler, die 1945 die Belagerung der Roten Armee zu durchbrechen versuchten. Wer dieses Nazi-Schaulaufen in SS-Uniformen mit Waffen und Hakenkreuzfahnen einmal gesehen hat weiß, wie dringend es ist, dagegen vorzugehen.

Nachdem die ungarische Regierung letzten September „die Antifa“ zur terroristischen Vereinigung erklärt hat, zeigen sich nun die Effekte: alle antifaschistischen Demos und Kundgebungen in Budapest gegen dieses NS-verherrlichende Event sind verboten worden. Auch alle Solidaritätskundgebungen vor dem Gericht, in dem der Prozess gegen Maja und andere Antifas stattfindet, wurden verboten. Diese Kundgebungen galten als „Demonstrationen zur Unterstützung terroristischer Gruppen“. Wir zitieren hier aus der Verbotsverfügung: 

Es kann eindeutig geschlossen werden, dass die geplante Versammlung mit Aktivitäten in Verbindung steht, die als terroristische Organisation eingestuft wurden. Zur Unterstützung terroristischer Gruppen dürfen keine Demonstrationen organisiert werden.“

In der fast 20-seitigen Verfügung wird weiter ausgeführt„…dass bei der geplanten Versammlung Gruppen von Personen mit gegensätzlichen Ansichten aggressiv gegenüber den Teilnehmern der Versammlung auftreten können. Darüber hinaus kann eine solche Versammlung eine Plattform für die Durchsetzung der „Antifa”-Ideologie bieten, die sogar in Aggressivität ausarten kann“.

Die Analogie Antifaschismus = Terrorismus kennen wir schon, von Trump, von der AfD, aus rechten Medien bis hin zu bürgerlichen Parteien. Aber Antifaschismus ist kein Verbrechen. Antifa ist notwendige Gegenwehr und aufrechte Haltung gegenüber menschenverachtender faschistischer Ideologie, gegenüber bewaffneten Nazigruppen und gegenüber NS-Verherrlichung.

Am Wochenende, an dem der diesjährige sogenannte „Tag der Ehre“ in Budapest stattfindet, sollte wieder eine antifaschistische Demonstration dagegen halten. Die ungarischen Vereinigung der Widerstandskämpfer:innen und Antifaschist:innen (MEASZ) hatte eine Kundgebung zum Gedenken an diejüdischen Opfer des NS-Terrors an einem Denkmal am Donauufer angemeldet, verbunden mit einer Rede der Überlebenden Katalin Sommer. In der Nähe der rechten Wanderung sollten anschließend Redebeiträge in Erinnerung an die Befreiung Budapests von den Nazis gehalten werden.

Die Budapester Polizei hat auch diese Versammlung komplett verboten. Nach den Erfahrungen der Versammlungsbehörde sei mit dem Erscheinen von Personen zu rechnen, „die faschistische und neonazistische Ideen verurteilen“. Auch würden voraussichtlich wieder „Personen aus Ungarn und dem Ausland teilnehmen, die die Ideologie der „Antifa” vertreten.“

Sowohl vom Innen-, als auch vom Außenministerium wurden demnach Informationen eingeholt „zu bestimmten ausländischen Ereignissen im Zusammenhang mit der „Antifa”-Ideologie. Auf diese Anfrage der Versammlungsbehörde hin erhielt die Versammlungsbehörde detaillierte, auf Fakten basierende Informationen, die von „Antifa”-Vorfällen gegen ungarische Vertretungen in Deutschland und der Schweiz zeugten.“

So schnell kann also eine „unverhältnismäßige Gefahr für die öffentliche Ordnung“ herbeihalluziniert und eine Demo sowie eine Rede einer Überlebenden des NS-Terrors verboten werden.

Absurderweise ist all das den rechtsextremen Kräften in Ungarn noch nicht genug. Aus ihrer Sicht werden sie vom Orbán-Regime fast stärker bedrängt als die gehasste antifaschistische Bewegung – schließlich ist ihr Fackelaufmarsch zum „Tag der Ehre“ in der Innenstadt nach jahrelangem Druck ungarischer Linker tatsächlich verboten worden. Die „Ausbruchs-Wanderung“ ist letztlich eine Art Ersatzveranstaltung, die nicht genehmigt werden muss. Der wachsweiche Umgang Ungarns mit Rechtsextremismus zeigt sich auch daran, dass zwar ‚Blood & Honour‘ auch in Ungarn offiziell verboten ist, die Gruppe aber seit Jahrzehnten die Veranstaltungen rund um den „Tag der Ehre“ mitorganisiert und jedes Jahr ein oder mehrere Rechtsrock-Konzerte extra dafür organisiert. Diese finden zwar an nicht-öffentlichen Orten statt, wurden bisher aber nie von der Polizei verhindert. Und im Gegensatz zu den drakonischen Urteilen im Fall Maja und Co wird in Ungarn schon mal ein zu einer hohen Haftstrafe verurteilter Rechtsterrorist (György Budaházy) begnadigt – und genau aus diesem Umfeld kommen die Leute, die in den letzten Monaten  versuchten , Prozessbesucher*innen von Maja im Gericht in Budapest einzuschüchtern…

Als internationale Kampagne NS-Verherrlichung-Stoppen mobilisieren wir seit Jahren gegen verschiedene NS-verherrlichende Treffen vor allem in Osteuropa, auch gegen den sogenannten „Tag der Ehre“ in Budapest. Auch im Februar 2026 werden also wieder Tausende Rechtsextreme, Militaristen in Flecktarn und paramilitärische Hooligans diesen geschichtsrevisionistische Wochenende in Budapest „begehen“. Das bedeutet: in der ganzen Stadt treiben sich Faschisten herum, eine Bedrohung für all diejenigen, die nicht in ihr Weltbild passen, was in Ungarn häufig Angehörige der Roma-Community trifft.

Faschistischer Todeskult, Nazi-Glorifizierung und rechtsautoritäres Regierungshandeln werden sich also im Februar 2026 in Budapest wieder die Hand reichen. Gleichzeitig nutzen die teilnehmenden Nationalist*innen aus ganz Europa die Veranstaltungen, um sich zu vernetzen und die rechte Bewegung international zu stärken.

Als deutsche und internationale Antifaschist*innen sehen wir uns weiterhin in der Verantwortung, gemeinsam und solidarisch mit unseren Genoss*innen vor Ort aktiv zu sein – gegen Repression, aber vor allem auch gegen Faschismus, der dort immer wieder auch von deutschen Neonazis auf die Straße getragen wird.

Nie wieder Faschismus!

Free All Antifas!