Nachdem das Orban-Regime „die Antifa“ als terroristische Vereinigung deklariert hatte, waren antifaschistische Proteste gegen die Nazi-Aktivitäten rund um den sogenannten „Tag der Ehre“ diesen Februar komplett verboten. Nichtsdestotrotz waren viele Leute auf der Straße aktiv: es gab eine Pressekonferenz unter freiem Himmel, es gab Banner-Drops in der Innenstadt, es wurden antifaschistische Plakate in der Stadt geklebt, auch an der Route der Nazi-Wanderung – und es gab antifaschistische Erinnerungspolitik an verschiedenen Denkmälern in der Stadt.
Antifaschismus lässt sich nicht verbieten.
Hier eine kleine Dokumentation:

Wir haben Blumen abgelegt …

…in Erinnerung an die jüdisch-ungarische Widerstandskämpferin Hannah Szenes (1921-1944). Sie war als Freiwillige mit 37 anderen jüdischen Frauen und Männern im Auftrag der SEO Special Operations Executive mit dem Fallschirm in
Jugoslawien abgesprungen, um zu versuchen, Jüd*innen in Ungarn zu retten. Nachdem sie zunächst mit Titos Partisanen gelebt hatte, wurde sie beim Grenzübertritt nach Ungarn verraten, festgenommen, gefoltert und erschossen.

…in Erinnerung an Sára Salkaházi und Vilma Bernovits. Die beiden katholischen Ordensfrauen versteckten über 100 Jüdinnen während der NS-Herrschaft u.a. in einem Arbeiterinnenheim und retten dadurch vielen das Leben. Sie wurden verraten und am 27.12.1944 gemeinsam mit vier Jüdinnen von ungarischen Pfeilkreuzlern am Donauufer erschossen; ihre Leichen wurden nie gefunden.

…in Erinnerung an den Schweizer Diplomaten Carl Lutz, der durch Papiere und „safe houses“ über 60.000 ungarischen Jüdinnen das Leben rettete. Er arbeitete mit ungarischen Widerstandskämpferinnen zusammen und inspirierte den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, ebenfalls Schutzpapiere auszustellen und dadurch Leben zu retten. In der Schweiz blieb Lutz lange ungewürdigt.

…in Erinnerung an alle »Roma Opfer des Holocaust« – das Denkmal am Donauufer aus dem Jahr 2006 erinnert bewusst nicht nur an die ungarischen Opfer unter den vielen vor allem in Auschwitz getöteten Roma.

…in Erinnerung an diejenigen Jüd*innen, die im „Großen Ghetto von Pest“ eingepfercht wurden. Das Ghetto war im April 1944 nach der deutschen Besatzung von der ungarischen Gendarmerie in der Innenstadt errichtet worden. Elf Tage später begannen unter der Leitung von Adolf Eichmann am 27. April die massenhaften Deportationen nach Auschwitz. Tausende Menschen starben im Ghetto selbst, bevor es von sowjetischen Truppen befreit wurde.

…in Erinnerung an die jüdischen Budapester*innen, die an dieser Stelle entlang in Internierungs- und Sammellager deportiert wurden. Das Denkmal wurde 2024 erst errichtet und unterstützt u.a. von der Ungarischen Anwaltskammer und dem Verband der jüdischen Gemeinden Ungarns – aber auch vom Ministerpräsidentenamt…

…in Erinnerung an die Budapester Jüd*innen, die von ungarischen Pfeilkreuzlern 1944/45 in Gruppen am Flussufer aufgereiht und „in die Donau geschossen“ wurden. Die eisernen Schuhe erinnern an die Opfer der Massenerschießungen.
Never Forget.
